Was ist Passive Thermografie?

Unter dem Begriff Thermografie wird ein bildgebendes Verfahren zur Erfassung der lokalen Temperatur- bzw. Strahlungsverteilung auf der Messoberfläche verstanden. Dabei können nicht nur Rückschlüsse auf die Probenoberfläche gezogen werden, sondern auch aus dem Objektvolumen. Grundsätzlich wird zwischen passiver und aktiver Thermografie unterschieden. Bei passiver Thermografie wird gezielt die Eigenwärme des Objektes für die thermografische Messung verwendet. Bei der aktiven Thermografie hingegen wird das Objekt mit entsprechenden Anregungstechniken erwärmt, sodass ein künstlich erzeugter Wärmefluss thermografisch analysiert werden kann. Die aktive Thermografie hat bereits eine hohe Anwenderakzeptanz erlangt, wobei sich bei der passiven Thermografie ein völlig neues Innovationsfeld eröffnet. Der große Vorteil der passiven Thermografie liegt in der Überwachung von thermisch gefügten Bauteilen (z. B. Schweiß-, Klebe-, Lötverbindungen) direkt während des Fügeprozesses. Dabei spielen die unterschiedlichen Werkstoffklassen eine untergeordnete Rolle, sodass sogar Kunststoffe oder verschiedenartige Materialpaarungen mit Hilfe der passiven Thermografie bewertet werden können. Bedingung hierfür ist lediglich, dass die Fügestelle Strahlung im infraroten Bereich emittiert (Wellenlänge etwa 0,8 µm bis 12 µm). Messabweichungen können bei der passiven Thermografie unverzüglich bemerkt und korrigiert werden, ohne den laufenden Prozess zu gefährden. Dabei erfolgt die Messung berührungslos, zerstörungsfrei und prozessgekoppelt, sodass ein Optimum der Fügequalität des Bauteils erreicht wird. Aus den genannten Gründen wird u. a. die passive Thermografie bereits bei der Endlosrohrherstellung verwendet. Aber auch im Automotivsektor wird die passive Thermografie als zerstörungsfreies Prüfverfahren vermehrt angewandt. Hierbei liegt der Fokus im Karosseriebau und dabei im Speziellen beim Setzen von Schweißpunkten.